
SCHWEGENHEIM. Es war eine Nachricht, die nicht nur in Schwegenheim, sondern weit darüber hinaus für Aufsehen sorgte: Im Frühjahr vergangenen Jahres leitete die vor 65 Jahren von Schwegenheims Ehrenbürger Kurt Kaufmann gegründete Elektro- und Metalltechnikfirma ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung ein. Firmengründer Kaufmann hatte die Verantwortung schon vor vielen Jahren in die Hände seines Schwiegersohns gelegt, später führten die Enkel das Traditionsunternehmen, das in Spitzenzeiten mal rund 150 Mitarbeiter hatte.
Als Gründe für die Insolvenz nannte der eingesetzte Sachwalter die Corona-Krise und den Ukraine-Krieg sowie die damit verbundenen Unsicherheiten: Aufträge hätten nicht ausgeführt oder verschoben werden müssen, während die Fixkosten weiterliefen oder sogar stiegen. Zudem mangelte es an Material, weil Lieferketten unterbrochen waren.
Zwei Chefs, die sich ergänzen
Rund 16 Monate später befindet sich der Traditionsbetrieb wieder in ruhigeren Fahrwassern, von den Problemen ist keine Rede mehr. Die Wirth Gruppe aus dem badischen Waghäusel hat die Firma Kaufmann im vergangenen Herbst übernommen. Auf Wunsch der Gruppe trägt nun Michael Stortz als neuer Geschäftsführer Verantwortung. Thomas Klein wurde als weiterer Geschäftsführer installiert – wegen der Firmengröße, den unterschiedlichen Geschäftsbereichen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten.
Michael Stortz ist ein Kind der Firma. Er machte dort eine Ausbildung zum Metallbauer, bildete sich an der Abendschule zum Maschinenbautechniker und Betriebswirt sowie im Unternehmen weiter und stieg bis zum technischen Betriebsleiter auf. Thomas Klein ist gelernter Energieanlagenelektriker mit Meisterabschluss, ausgebildeter Betriebswirt und arbeitete später als Segmentleiter in der Automobilindustrie. Der 55-Jährige kommt von der Wirth Gruppe, wo er mit einem Partner bereits die Spritzguss-Firma Hoffner GmbH in Waghäusel führt und Managementerfahrung in die Führungsspitze einbringt.
Das Unternehmen firmiert seit der Übernahme unter dem Namen Kaufmann MET GmbH, wobei MET für Metall- und Elektrotechnik steht. Der Name wurde bewusst nur geringfügig geändert, da sich die meist aus der näheren Umgebung stammenden Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren und er für Qualität steht. Zudem ist der Name Kaufmann durch Firmengründer Kurt Kaufmann als ehemaligen, bestens vernetzten Bürgermeister Schwegenheims weit über den Ort hinaus bekannt, sagt Klein.
Diese Faktoren kamen dem Traditionsbetrieb auch im Insolvenzverfahren zugute. „Uns sind keine Kunden und keine Lieferanten weggebrochen“, sagt Stortz und ergänzt: „Jeder hat versucht, uns am Leben zu halten.“ Der Grund: Die Firma wird mit ihren individuellen Maßanfertigungen von großen Unternehmen gebraucht. Rund 60.000 Teile verlassen jeden Monat das Gelände im Gewerbegebiet „Im Brühl“. Das Vertrauen spielt der neuen Geschäftsführung auch jetzt in die Karten. „Die Bestandskunden wollen weiter mit uns arbeiten“, sagt Stortz.
Teamgedanke an erster Stelle
Gleichwohl möchten die Geschäftsführer die Firma Kaufmann MET breiter aufstellen. Die Solarsparte soll ausgebaut, die Geschäftsbereiche Metall- und Elektrotechnik stärker zusammengeführt werden. „Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass wir beide Kompetenzen haben“, erklärt Stortz. Als Beispiel präsentieren er und Klein einen aus Metall gefertigten Container, in den Elektrotechnik installiert wird und der als mobile Trafostation dient – einsetzbar auf Großbaustellen, in Katastrophengebieten oder bei Infrastrukturprojekten.
Stortz und Klein sehen großes Potenzial im Schwegenheimer Unternehmen. An erster Stelle stehen die Mitarbeiter und der Teamgedanke. „Wir wollen auch wieder junge Menschen ausbilden“, kündigt Klein an. Gleichzeitig wollen sie das Unternehmen, in dem größtenteils noch mit der Hand gearbeitet wird, ins 21. Jahrhundert führen, um konkurrenzfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu sichern. Dafür sind 2,4 Millionen Euro für neue Maschinen, Digitalisierung, Gebäude sowie Brand- und Arbeitsschutz eingeplant.
Das Ziel der Geschäftsführer ist ehrgeizig: 10 Millionen Euro Umsatz im kommenden Jahr und langfristig die 15- bis 20-Millionen-Marke. Um das zu erreichen, soll die Anzahl der Mitarbeiter steigen. Derzeit beschäftigt Kaufmann MET 105 Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen – vom Kaufmann über den Elektrotechniker bis hin zum Metalltechniker. „Wir waren mal 150 Mitarbeiter, das ist eine gesunde Größe, die wünsche ich mir wieder“, sagt Stortz.
Der Ansatz lautet: Wachstum mit Bedacht in allen Bereichen. Zudem sprechen sich die Geschäftsführer klar für den Standort aus. „Wir stehen zu Schwegenheim. Wir wollen hier weiter als Arbeitgeber, Kunde, Lieferant und Partner für die Industrie wirken“, betont Klein. Nach den Turbulenzen der vergangenen eineinhalb Jahre sind er und sein Partner optimistisch, dass 2025 das Jahr des Aufbruchs wird.
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