
SCHWEGENHEIM. In den Hallen der Firma Kaufmann MET GmbH tut sich was. In den vergangenen Monaten sind zwei Maschinen eingezogen, die der neue Stolz der Geschäftsführung und der Belegschaft sind. Es handelt sich um eine Stanzmaschine und eine automatisierte Abkant-Anlage, beide in Baden-Württemberg bei der Firma Trumpf gefertigt. Bei Kaufmann wird Wert auf langjährige verlässliche Partnerschaften und „Made in Germany“ gelegt, deuten die Chefs Michael Stortz und Thomas Klein an. Es wurden insgesamt rund 2 Millionen Euro investiert. Es sind die ersten Millionen-Investitionen nach der Insolvenz der Schwegenheimer Traditionsfirma Kaufmann und der Übernahme durch die Wirth-Gruppe aus dem badischen Waghäusel. Kaufmann MET ist in den Bereichen Elektrotechnik, Metalltechnik und Photovoltaik tätig. Zu den Kunden gehören unter anderem Siemens, Alstom, ABB, Kiepe, Technotrans, die Deutsche Bahn und die Pfalzwerke-Gruppe.
Es herrscht Aufbruchstimmung
Sascha Sauer steht mit dem Tablet in der Hand vor der neuen Abkant-Anlage. Ein Roboter nimmt voll automatisiert mit Unterstützung eines Lasers die Blechplatinen auf, führt sie der Maschine zu und kantet diese gemäß Vorgaben um. Anschließend palettiert der Roboter die abgekanteten Teile sauber auf einen Ladungsträger. Es ist Maßarbeit, die früher – und teilweise auch noch heute auf der anderen Seite der Halle – Mitarbeiter der Firma Kaufmann MET übernahmen.
Patrick Degen und Sascha Sauer standen bis vor Kurzem auch an den Maschinen und erledigten als Abkanter genau solche Arbeiten. Es sei körperlich sehr anstrengend gewesen, berichtet der 36-Jährige. Sie wurden wie andere Kollegen auf die moderne, voll automatisierte Anlage geschult und gehen in ihren neuen Aufgaben als Roboter-Programmierer voll auf. Der Vorteil: Sie wissen, was der Roboter können muss und erledigen soll, weil sie es jahrelang selbst gemacht haben.
Michael Stortz und Thomas Klein freuen sich, dass die neuen Maschinen in der Belegschaft gut ankommen. Zum RHEINPFALZ-Gespräch in den Firmenhallen gesellt sich neugierig noch ein weiterer Mitarbeiter. Es ist Manuel Brauch. Der 37-Jährige arbeitet seit 17 Jahren bei der Firma Kaufmann, erst als Abkanter, heute ist er Konstrukteur. Auch ihm kommt zugute, dass er die Arbeit an der Maschine kennt. Er kann somit einschätzen, ob eine von ihm angedachte neue Konstruktion fertigungstechnisch und wirtschaftlich umsetzbar ist. Brauch spürt seit ein paar Wochen und mit dem Einzug der neuen Maschinen eine Aufbruchstimmung im Team. „Von der Steinzeit in die Neuzeit“, kommentiert er den Wandel und klingt dabei sehr positiv.
Geschäftsführung: Auftragslage ist gut
Die Geschäftsführer Stortz und Klein erhoffen sich durch die neuen Maschinen, dass die Mitarbeiter körperlich entlastet werden und die Firma durch die moderne Technologie, die gerade für junge Menschen attraktiv sei, weitere Mitarbeitende gewinnen kann. Die Maschinen gewährleisteten außerdem einen Arbeitseinsatz – wenn nötig rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche ohne Urlaub –, der durch Mitarbeitende gar nicht abgebildet werden könne. Gleichzeitig verdeutlichen die Chefs: „Niemand verliert seinen Arbeitsplatz.“ Im Gegenteil: „Die Maschinen sollen die Arbeitsplätze sichern“, sagt Michael Stortz. Der 52-Jährige ist ein Kind der Firma Kaufmann und hat sich vom Metallbauer zum Geschäftsführer hochgearbeitet. Sein Kollege, der 55-jährige Thomas Klein, ist gelernter Energieanlagenelektriker und bringt die Expertise von der Wirth-Gruppe mit.
Sie zielen mit der Millionen-Investition darauf ab, dass das Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigert. Dafür werden auch weitere Mitarbeitende gesucht: Elektriker, Metallbauer sowie Azubis in diesen Bereichen und ein Industriekaufmann beziehungsweise eine Kauffrau für die Verwaltung. Derzeit sind im Unternehmen 106 Personen beschäftigt. Fünf weitere seien aus einer Schwestergesellschaft, der Wirth-Gruppe, ausgeliehen, damit alle Aufträge abgearbeitet werden können. Zehn weitere Mitarbeitende in den genannten Bereichen bräuchte es, sagt Thomas Klein.
Denn nach der Insolvenz und der damit verbundenen Auftragsflaute im vergangenen Jahr zieht das Geschäft wieder an. Die Auftragsbücher für 2025 sind gut gefüllt. Für das kommende Jahr rechnen die Geschäftsführer mit einem Umsatz von 12 Millionen Euro, wovon 80 Prozent bereits fix, weil vertraglich vereinbart seien. Das sei eine Steigerung von 45 Prozent im Vergleich zu diesem Jahr, das mit einem Umsatz von rund 8,3 Millionen Euro abschließen werde.
Das Ziel für das kommende Jahr ist klar: „Weiter investieren, die Auftragslage ausbauen und damit die Zukunft absichern“, sagt Michael Stortz. Dafür möchte das Unternehmen vermehrt eigene Produkte „made by Kaufmann“ anbieten. Es geht um bereits entwickelte mobile Trafostationen, Kabelverteilschränke, Blechverhausungen, mobile Technikräume, Niederspannungshauptverteilungen und mobile Videoüberwachungen. Alles könne zum Beispiel Teil von Energieparks sein.
Energieversorgung, Bahninfrastruktur, Metallbau – die Firma Kaufmann MET ist in Geschäftsfeldern tätig, die erfolgversprechend klingen. Die Chefs glauben daher an eine positive Zukunft und die Mitarbeiter teilen diese Hoffnung. „Es sind schon Welten dazwischen“, sagt Sascha Sauer beim Vergleich von Vergangenheit und Gegenwart. Dann widmet sich der Roboter-Programmierer wieder seiner Arbeit und scheint zufrieden.
Hinterlasse einen Kommentar