Hoffnung und Hürden: Kaufmann MET setzt auf Wachstum am Standort Schwegenheim
Investitionen in Millionenhöhe, neue Maschinen, mehr Mitarbeiter: Bei der Firma Kaufmann MET in Schwegenheim gibt es trotz der angespannten Wirtschaftslage gute Nachrichten.
Von Nadine Klose
Schwegenheim. Bislang 4,5 Millionen Euro investiert und es geht weiter: In Summe sind beim Elektro- und Metalltechnikunternehmen Kaufmann MET Investitionen in Höhe von 6,2 Millionen Euro geplant. Die Mitarbeiterzahl ist von 106 auf 145 gestiegen, perspektivisch sind 200 Mitarbeiter am Standort in Schwegenheim angedacht. Das sind die Kennzahlen, mit denen die Geschäftsführer Thomas Klein und Michael Stortz die Entwicklung beschreiben.
Die Firma Kaufmann, die von Schwegenheims inzwischen verstorbenem Ehrenbürger Kurt Kaufmann gegründet wurde und in den Händen seiner Nachfahren war, hatte im Jahr 2023 Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet. Die Wirth Gruppe aus dem badischen Waghäusel übernahm das Traditionsunternehmen und ist nun 50-prozentiger Gesellschafter. Die andere Hälfte der Anteile gehören dem Energieinfrastrukturunternehmen Sunotec, das seinen Hauptsitz in Bulgarien hat. „2024 stand unter dem Stern, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen und die Mitarbeiter zu halten, weil wir sie für die Zukunft brauchen. 2025 war es der Kampf um Wirtschaftlichkeit. 2026 steht unter dem Motto, neben dem traditionellen Geschäft neue Produkte auf den Markt zu bringen“, beschreibt Klein die Entwicklung. Seinen Angaben zufolge hat Kaufmann MET 2025 erstmals nach der Insolvenz „mit einiger Anstrengung“ wieder eine schwarze Null geschrieben. Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf 14 Millionen Euro. „Wir rechnen mit einem weiteren Anstieg und wollen das Unternehmen in die Gewinnzone führen“, sagt Klein. „Wir wollen alle Bestandskunden behalten und neue Kunden akquirieren“, ergänzt Stortz. Zu den Kunden zählen unter anderem der Bahntechnik-Konzern Alstom, die Gesellschaft Siemens Mobility des Siemens-Konzerns, das Technologieunternehmen Thermo Fisher und der Wärmeanbieter Paul Tech AG. Das Ziel für das Jahr 2027 seien 20 Millionen Euro Umsatz.
Moderne Geräte, angepasste Arbeitsabläufe
Damit das gelingt haben die Chefs in neue Geräte investiert: In den Hallen auf dem fast einen Hektar großen Gelände im Gewerbegebiet „Im Brühl“ stehen neue Kupferbearbeitungs- und Abkantmaschinen. Zum Transport neuer Produkte hat die Geschäftsführung einen Schwerlastgabelstapler angeschafft, mit dem bis zu 33 Tonnen schwere Lasten bewegt werden können. In diesen Tagen entsteht am Rand des Firmengeländes nahe der Landesstraße 537 eine Lagerhalle in Leichtbauweise. Zum Wandel „vom großen Handwerksbetrieb zu einem Mittelständler“ gehörten nicht nur moderne Arbeitsmittel, auf die gerade junge Mitarbeiter heutzutage Wert legten, sondern auch organisatorische Veränderungen sowie ein neues Produktportfolio zusätzlich zum Kerngeschäft. Wachstum erfordere nicht nur Arbeit, sondern neues Denken und anderes Handeln als in der Vergangenheit. Das bedeute nicht, dass das Handeln in der Vergangenheit schlecht gewesen sei. „Es war eine andere Zeit. Wer sich dem ständigen Wandel und neuen Entwicklungen nicht anpasst, geht mit der Zeit“, sagt Klein.
Kaufmann MET liefere weiterhin individuell für Kunden gefertigte Metallteile und elektrische Installationen im Gebäude- und Industriebau. Gleichzeitig fertigten die Mitarbeiter nun auch Schallschutzanlagen etwa für Batteriespeicherparks, mobile Kameraüberwachungstürme zum Beispiel zur Absicherung von Baustellen oder Veranstaltungen sowie tonnenschwere Beton-Trafostationen und Schaltschränke. Die Geschäftsführung ist davon überzeugt, dass die Energiewende Deutschland und Europa noch lange beschäftigen wird: „Wir wollen ein kleiner Teil davon sein“, begründet Klein die Entscheidung für die genannten Produkte. Der Vorteil: Dadurch, dass Kaufmann MET Metallbau und Elektrotechnik vereine, komme alles aus einer Hand – von der Konzeption, der Fertigung, dem Vertrieb bis hin zur Inbetriebnahme. Gleichzeitig bestehe die Möglichkeit, auf Kundenwunsch Teile von Trafostationen wie Türen, Lüftungselement sowie Nieder- und Mittelspannungshauptverteiler einzeln zu verkaufen.
Von neuer Bundesregierung mehr erwartet
Die Geschäftsführer Klein und Stortz sowie Sebastian Holzer, der der Kaufmann Electric GmbH vorsteht, bekennen sich zum Standort Schwegenheim und wollen ihn weiterentwickeln. Was Michael Stortz besonders freut, ist, dass Mitarbeiter, die das Unternehmen während des Insolvenzverfahrens verlassen haben, inzwischen wiederkämen. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei, wie die neuen Produkte auf dem Markt ankommen. Kaufmann MET ist in Branchen unterwegs, die Zukunft haben. Doch auch das Schwegenheimer Unternehmen spürt die Zurückhaltung der Kunden, die mit fehlender Planungssicherheit begründet werde – aufgrund der weltweit angespannten Wirtschaftslage, Kriegen und des unzuverlässigen Agierens von politisch Verantwortlichen. „Es ist eine große Herausforderung, international wettbewerbsfähig zu bleiben, weil wir weltweit verglichen werden“, sagt Klein.
Von der neuen Bundesregierung haben sich die Unternehmenschefs mehr erwartet. Bisher sei nichts einfacher, nichts besser geworden, sagen sie und sprechen als Beispiele die Dokumentationspflichten, die hohen Energie- und Lohnnebenkosten sowie Auflagen für Bauvorhaben an, die die Weiterentwicklung des Unternehmens auch auf dem eigenen Firmengelände zu einem langwierigen Prozess machen könnten. Nichtsdestotrotz geben die Geschäftsführer die Hoffnung nicht auf: „Wir stehen für den Standort Deutschland, für Produkte aus Deutschland, für kurze Wege, für Rücksprachen auf Augenhöhe und mit Menschen aus demselben Kulturkreis“, sagt Klein.

